Schrift um Stempel herum - Blankostempel?

Schrift um Stempel herum - Blankostempel?

Beitragvon Zeppelin » 22. Mai 2009, 18:04

Der Katapultbeleg auf der Titelseite der 34. Palmer Auktion sieht nicht nur sehr ansprechend aus, als Express-Beleg ist er auch noch recht selten. Was mir allerdings auffiel ist, dass der handschriftliche Text auf der Postkarte um die Stempel herum geschrieben wurde.

KAT33.gif
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Der erste Gedanke in solch einem Fall ist sicherlich, dass es sich hierbei um eine Fälschung handeln könnte. Dem ist aber ganz bestimmt nicht so: Der Beleg scheint mir absolut echt zu sein (wobei ich zugeben muss, dass ich nur die Abbildung auf der Titelseite kenne, den Original-Beleg habe ich nicht in Händen gehabt!). Und mit echt meine ich, dass eben auch die Stempel und die Schrift echt und authetisch sind. Das hat schon Grabowski mit seinem Prüfstempel in der rechten unteren Ecke auf der Karte bestätigt.

Ich sehe die Sache eher aus einer postgeschichtlichen Perspektive, und da wird die Sache richtig interessant: Wenn Stempel und Schrift echt und authetisch sind, und die Schrift um die Stempel herum geschrieben wurde, dann waren demzufolge die Stempel zuerst auf dem Beleg, und dann kam die Schrift hinzu. Das würde bedeuten, dass es sich bei den Stempeln um Blankostempel gehandelt hatte, zumindest zu dem Zeitpunkt, als sie auf der Karte abgeschlagen wurden. Blankostempelabschläge der Katapultstempel sind mir aber nicht bekannt... :?

Nur, wie kamen die Stempel dann auf die Karte? Das normale Verständnis sagt doch, dass die Seepost an Bord der Dampfer geschrieben wurde, dann wurden die Belege beim Seepostamt aufgeliefert, gestempelt, und dann mit dem Katapultflugzeug befördert. Dieses Verständnis ist hier wohl umgekehrt - die Karte wurde zuerst gestempelt, dann beschrieben, dann aufgeliefert und dann mit dem Katapulflugzeug befördert.

Damit stellt sich die Frage, wieso der Absender die Katapultstempel als Blankostempel erhalten konnte: Vielleicht war der Absender ja irgendwie ein Besatzungsmitglied und hatte Zugang zu den Stempeln, solche "Kollegialität" können wir nicht ausschließen. Oder haben VIP´s an Bord der Schiffe - vielleicht auch die Passagiere der 1. Klasse - solche blankogestempelten Karten als Souvenir erhalten? Der Absender hätte dann um die Stempel herum geschrieben und die Karte dann beim Seepostamt aufgeliefert. Wäre auch eine Möglichkeit.

In meinen Augen jedenfalls handelt es sich bei dieser Karte um eine nicht nur optisch sehr schöne, sondern auch postgeschichtlich hoch interessante Karte, eben wegen der Annahme, dass die Karte zunächst blanko-gestempelt und dann erst aufgeliefert wurde. Wer kennt ähnliche Fälle, um hier vielleicht die Forschung weiter zu bringen: War es Kollegialität oder ein postalisch verwendetes Souvenir der ersten Klasse?
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Re: Schrift um Stempel herum - Blankostempel?

Beitragvon Alfred » 23. Mai 2009, 21:28

Hallo Zeppelin!
Zunächst muss ich Dir leider gestehen, dass ich keine Ahnung von diesem Thema habe. Sicher wird es schwierig sein, die Besatzungs- und/oder Passagierliste eines Ozeandampfers zu recherchieren. Trotzdem glaube ich, dass es zur Beantwortung der Frage: „Kollege oder Ertser-Klasse-Passagier“ einen Hinweis gibt: Versuche doch einmal, mit „Google Earth“ die Bremer Adresse zu finden! Ganz eindeutig ist das Ergebnis nicht, aber immerhin wird sichtbar, dass die Werderhöhe in Bremen ein gutes Wohnviertel zu sein scheint. Mein Tipp: es gab Blanko-Belege für wichtige Passagiere – die Gegend war zu teuer für ein Besatzungsmitglied der Bremen.
Viele Grüße
Alfred
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Re: Schrift um Stempel herum - Blankostempel?

Beitragvon Concordia CA » 23. Mai 2009, 23:11

Der "kleine Martin" ist heute Architekt und lebt immer noch unter derselben Adresse Bremen:

http://www.architektenkammer-bremen.de/ ... php?id=668

Vielleicht trägt die Kontaktaufnahme zur Klärung des Rätsels bei.
Mit besten Sammlergrüßen
Concordia CA
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Re: Schrift um Stempel herum - Blankostempel?

Beitragvon Katapult » 24. Mai 2009, 09:33

Hallo zusammen,
zu der oben gezeigten Karte kann ich nur soviel sagen, dass der Zuschlag bei der letzten Palmer-Auktion (gestern) bei 160 Euro ohne Aufgeld war.
Blankostempelabschläge auf Katapulbelegen habe ich noch keinen gesehen aber Gefälligkeitsabschläge von Katapulstempeln gab es auf jeden Fall wie die anhängenden Scans es zeigen.
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