LZ 126, Probefahrt in die Schweiz am 11.9.1924

LZ 126, Probefahrt in die Schweiz am 11.9.1924

Beitragvon Alfred » 1. Apr 2009, 16:41

Hallo zusammen !
In einem vorangegangenen Thread habe ich den zeitgenössischen Bericht des Navigationsoffiziers A. Wittemann erwähnt, der in seinem Buch "Die Amerikafahrt des Z.R.III" (erschienen im Amsel-Verlag Wiesbaden 1925) nicht nur die Überführungsfahrt nach Amerika sondern sehr ausführlich auch die vorangegangenen Probefahrten beschreibt. Für uns interessant ist die Tatsache, dass er auch die Postabwürfe dieser Fahrten aufführt und uns somit die Möglichkeit gibt, sie mit den Katalog-Eintragungen abzustimmen. Ich zitiere einen Abschnitt aus dem Kapitel "Dritte Probefahrt" - Seite 82:
" [i]... Endlich nehmen wir Kurs auf Konstanz und fahren den Rhein hinab. Der Rheinfall von Schaffhausen wird heftig photographiert, wegen des mangelnden Liches für manchen tatsächlich ein Reinfall. In der Kabine klappern die Schreibmaschinen. In schneller Fahrt geht es nach Basel, der ersten größeren Schweizer Stadt, welche besucht werden soll. Eine Abwurfpost mit unendlichen Kartengrüßen aus der Luft wird klar gemacht (meist unfrankiert, da keine Schweizer Marken an Bord) Eben nach "Postschluß" kommt noch ein Paket weiterer Postkarten. Einer der Herren bittet, noch einen Augenblick über Basel zu warten; "ich bin sofort fertig", aber der Postbeutel landet nicht mehr in Basel sondern in Lörrach ...." i]
Weder Sieger noch Michel kennen einen Abwurf Lörrach bei dieser Fahrt. Was meint ihr: sollten wir einen Ausflug nach Lörrach machen und dort nach einem ziemlich alten Postbeutel suchen? :?: - Es könnte sich lohnen!! :!:
Alfred
 
Beiträge: 335
Registriert: 30. Mär 2009, 17:56
Wohnort: Neckargemünd bei Heidelberg

Re: LZ 126, Probefahrt in die Schweiz am 11.9.1924

Beitragvon Graf Zeppelin » 1. Apr 2009, 19:27

ich bin dabei..... :D
Benutzeravatar
Graf Zeppelin
Administrator
 
Beiträge: 16
Registriert: 29. Mär 2009, 16:49

Re: LZ 126, Probefahrt in die Schweiz am 11.9.1924

Beitragvon Graf Zeppelin » 1. Apr 2009, 21:19

aber jetzt mal ernst:
Einen Abwurf Lörrach kenne ich nicht, ob sich allerdings die Suche in Lörrach lohnen wird, ist fraglich. Denn was hat Wittemann wirklich gesehen und wie authentisch ist seine Niederschrift?

Alfred hat geschrieben:Eine Abwurfpost mit unendlichen Kartengrüßen aus der Luft wird klar gemacht (meist unfrankiert, da keine Schweizer Marken an Bord)

Schon die Formulierung der "unendlichen Kartengrüße" ist für den ZR 3 Abwurf Basel wohl etwas übertrieben: Gemäß Schweizer Luftposthandbuch sind nur 2 Karten bekannt (mittlerweile sind es wohl 4 bekannte Karten). Und es geht weiter "... meist unfrankiert, da keine Schweizer Marken an Bord...". Aber tragen denn nicht alle bekannten Basel-Abwürfe Schweizer Frankatur? Mir zumindest ist kein unfrankierter Basel-Beleg bekannt geworden. Aber vielleicht hat der ehrliche Finder die "unendlichen Karten" ja alle selbst frankiert.... :?

Alfred hat geschrieben:Einer der Herren bittet, noch einen Augenblick über Basel zu warten; "ich bin sofort fertig", aber der Postbeutel landet nicht mehr in Basel sondern in Lörrach ...."

Das Luftschiff kam an jenem Tag von Friedrichshafen kommend über Bad Säckingen, Rheinfelden und dann nach Basel. Anschließend fuhr das Luftschiff von Basel aus in Richtung Luzern. Das ist in südlicher Richtung. Lörrach liegt allerdings ein gutes Stück nördlich von Basel. Kam das Luftschiff bei dieser Fahrt wirklich über Lörrach?

Irgendwie ist das alles recht merkwürdig.... :?
Benutzeravatar
Graf Zeppelin
Administrator
 
Beiträge: 16
Registriert: 29. Mär 2009, 16:49

Re: LZ 126, Probefahrt in die Schweiz am 11.9.1924

Beitragvon Alfred » 2. Apr 2009, 10:13

Hallo Graf Zeppelin !
Sicher hast Du Recht, dass man die Worte von Herrn Wittemann nicht auf die Goldwaage legen darf. Ich denke, er wollte sich an der zitierten Textstelle über die zahlreichen eher störenden Journalisten an Bord mokieren. Immerhin waren bei dieser Fahrt 80 Personen an Bord, was die Arbeit der Besatzung sicher erschwerte. Gleich zu Beginn seiner Beschreibung der Amerikafahrt schreibt er auch:
„... Durch uns alle ging ein Aufatmen, endlich einmal allein, ohne noch weitere 50-60 Mitfahrende, welche während der Fahrt im Schiff hin und her laufen, sodaß die Führung nie weiß, wie das Schiff im Trimm ist .....“
So sehe ich die Aussage zu den „unendlichen Kartengrüßen“ weniger auf die Anzahl der Karten bezogen als vielmehr auf die Dauer, die man über einem bestimmten Punkt warten musste. Ähnlich könnte es sich auch mit „Lörrach“ verhalten: so weit war man schon von der geplanten Abwurfstelle entfernt, als immer noch nicht alles erledigt war.
Andererseits war er der Navigationsoffizier; es ist eigentlich anzunehmen, dass er jeweils wusste, wo man sich befand. Er schreibt auch gleich im Anschluss an die von mir zitierte Stelle, dass man einen Blick „über den hohen Grenzzaun“ ins offenbar verbotene Elsaß warf, bevor man nach Süden abdrehte.
Insgesamt liegt mir seine leicht ironische Schreibe besser als die anderer zeitgenössischer Protagonisten, deren Stil meist etwas oberlehrerhaft wirkt. Jedenfalls werde ich sein Buch jetzt einmal aufmerksam lesen – mit dem Siegerkatalog im Zugriff ... :D
Viele Grüße
Alfred
Alfred
 
Beiträge: 335
Registriert: 30. Mär 2009, 17:56
Wohnort: Neckargemünd bei Heidelberg


Zurück zu LZ-126/ZR 3 "Los Angeles"

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron